Frucht- und Holznutzung

 

Die Ernte der Kastanien erfolgt je nach Sorte ab Mitte September bis Mitte  Oktober.  Das  Sammeln  der  Früchte  ist  zumeist  noch  – manchmal  durch  die stacheligen  Igel  eine schmerzhafte  – Handarbeit.  In  größeren  Anlagen  werden  bereits  Erntemaschinen eingesetzt.


Die  Kastanienbauern  bemühen  sich  um  eine hohe  Qualität  der Früchte;  dazu  werden  die  Kastanien  in Wasser  getaucht,  wobei wurmige und verdorbene Früchte an die Oberfläche aufschwimmen.


Danach werden die Kastanien mit einer Sortiermaschine sortiert – die größeren  Früchte  werden  haltbar  gemacht  und zum  Frisch-Verkauf angeboten.
Die  geernteten  Kastanien  werden  überwiegend  von  den zahlreichen Kastanienbratern  für  den "Frischmarkt"  abgenommen.  Um  die Haltbarkeit  zu  verbessern,  erfolgt  nach  der  Sortierung  eine  bis  zu acht  Tage dauernde  Behandlung  im  Wasserbottich,  die den Geschmack  und  die  Haltbarkeit  der  Früchte  verbessert.  Nach  dem Trocken und bei kühler Lagerung können die Kastanien dann 2 bis 3 Monate aufbewahrt werden.
Die  mittleren  und kleineren  Kastanien  können  in einer  Schälanlage geschält  werden.  Diese  Früchte  können  anschließend  entweder getrocknet  und  vermahlen,  eingefroren  oder  gedämpft  und zu Kastanienpüree verarbeitet werden.


Die  Edelkastanie  ist  eine  Baumart  mit  vielfältigem  Nutzen.  Schon  die heilige Hildegard von Bingen schreibt sinngemäß: „Alles an ihr macht stark“.  Über  die  Verwendung  des  Kastanienholzes  ist  bereits geschrieben  worden,  wie  auch  über  die  Tradition  des Kastanienbratens  im  Herbst.  Es  gibt  jedoch  noch  viele  andere Möglichkeiten, mit denen uns die Edelkastanie dient.
Da  sind  erst  einmal  die  Blätter,  die  als  Heilmittel  insbesondere  bei Husten und Lungenbeschwerden wirken. In der Medizin wird auch die durch  den  Gehalt  an  Gerbsäure  bedingte  adstringierende  Wirkung der Blätter eingesetzt.
Der  hohe  Gehalt  an  Gerbsäure  ist  auch  in  der  Rinde  und  im Holz gegeben.  Früher  wurde  Kastanienrinde  oft  in  Gerbereien  eingesetzt. Im slowenischen Sevnica wird seit 1923 in der dort ansässigen Fabrik nach  wie  aus  Kastanienholz  und  -Rinde  Tannin  produziert  und  zu Produkten  für  die  pharmazeutische  und  chemische  Industrie weiterverarbeitet.


Die  Früchte  der  Edelkastanie  sind  ein  beliebtes  Lebens-  und Nahrungsmittel.  Zahlreich  sind die  Verwendungsmöglichkeiten  -  nicht nur  als  Kastanienreis  - in  der  Kulinarik.  Als  Bestandteil  in Hauptgerichten,  als  Beilage  oder  als  Dessert:  mit  Rezepten  für  und mit  Edelkastanien  kann  man  ganze  Kochbücher  schreiben.  Für  die Küche  ist  es  daher  auch  notwendig,  Kastanien  zu  konservieren,  um sie  ganzjährig  zur  Verfügung  zu  haben.  Dazu  können  die  Früchte entweder  getrocknet  oder  gekocht  und  geschält  und  in  Dosen  oder Gläsern,  ganz  oder  als  Püree,  konserviert  werden.  Seit  kurzem werden  im  Burgenland  vom  Verein  „die  Kästnklauber“  auch österreichische  Kastanien,  die  getrocknet  und  geschält  werden, ganzjährig  angeboten.  Und  zu  einem  guten  Essen  lässt  man  sich einen kräftigen, im Edelkastanien-Fass gereiften Rotwein schmecken!